Diagnostik von Lungenerkrankungen

Untersuchungen zur Diagnostik von Erkrankungen der Lunge und der Atemwege

Eine ausführliche und gründliche Diagnostik ist die Grundlage für Ihre individuelle Therapie. Dazu gehören ausführliche Gespräche über Ihre Symptome, eventuelle Vorerkrankungen und weitere Aspekte Ihres Gesundheitszustandes und - je nach Verdachtsdiagnose und Symptomatik - verschiedene Untersuchungen. 

  • Funktionsdiagnostik bei Lungenerkrankungen

    Laboruntersuchungen

    Wir führen umfassende Laboruntersuchungen durch, um mögliche Infektionen, Entzündungsreaktionen oder andere krankhafte Veränderungen in den Atemwegen zu erkennen.

    Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie, Bodyplethysmografie, Diffusionsmessung)

    Mit Hilfe modernster Geräte messen wir die Lungenfunktion, um verschiedene Lungenerkrankungen wie Asthma, Lungenfibrose oder chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) zu diagnostizieren und zu überwachen. Dabei können wir, wenn erforderlich, die Reaktion der Lunge auf bestimmte Reize (Provokation) sowie die Umkehrbarkeit einer möglichen Verengung der Atemwege (Reversibilität) testen. Unsere Lungenfunktions-Abteilungen verfügen über Spirometrie, Bodyplethysmographie und die Möglichkeit zur Messung der Diffusionskapazität.

    Atemmuskelfunktionsmessung

    Zusätzlich bieten wir die Möglichkeit, Messungen der Atemmuskelfunktion durchzuführen. Die Atemmuskulatur bei kann langjährigen Lungenerkrankungen, neuromuskulären Erkrankungen und Bewegungsstörungen des Zwerchfells beeinträchtigt sein. Insbesondere die sogenannte Sniff-Messung ermöglicht eine genaue Beurteilung der Funktion des Zwerchfells, des wichtigsten Atemmuskels.

    Blutgasanalyse

    Um den Gasaustausch in den Lungen zu bewerten, führen wir Blutgasanalysen (BGA) durch. Dies ermöglicht uns, den Sauerstoff- und Kohlendioxid-Druck im Blut zu bestimmen und mögliche Störungen des Atmungssystems zu erfassen.

    Belastungsuntersuchungen

    Mit Hilfe von Belastungsuntersuchungen, wie dem 6-Minuten-Gehtest oder der Spiroergometrie, beurteilen wir die Leistungsfähigkeit der Lunge unter Belastung. Diese Tests helfen uns bei der Diagnostik von Lungenerkrankungen und der Planung von Behandlungsmaßnahmen.

    EKG

    Die Ableitung eines Elektrokardiogramms, also der Ströme des Herzens, geben erste Hinweise auf Lungen- oder Herzerkrankungen.

    Echokardiografie (Ultraschall des Herzens) 

    Mit der Echokardiografie können wir die Struktur und Pumpfähigkeit des Herzens sowie die Funktion der Herzklappen beurteilen. So können mögliche Begleiterkrankungen der Lunge, wie beispielsweise die pulmonale Hypertonie [LINK], frühzeitig erkannt und gezielt behandelt werden.

    Sonografie (Ultraschall)

    Die Lungensonografie (Ultraschall der Lunge) ermöglicht eine schnelle Beurteilung der Lunge ohne Röntgen-Strahlenbelastung. Mit dieser Methode können Lungenentzündungen und Flüssigkeitsansammlungen oder andere Veränderungen in der Lunge identifiziert werden. Die Funktion des Zwerchfells kann sonografisch ebenfalls gut beurteilt werden.
    Neben der Lunge können in unserer Abteilung auch andere Organe untersucht werden, um mögliche Zusammenhänge zwischen Lungenerkrankungen und Erkrankungen anderer Organe zu erkennen.
    Sowohl im Brustkorb als auch Bauchraum können ultraschallgestützt Veränderungen gezielt punktiert werden, wenn dies für die Diagnosestellung erforderlich ist.

  • Bildgebende Verfahren zur Diagnostik von Lungenerkrankungen

    Computertomografie (CT) und CT-gestützte Punktionen

    Die Computertomographie (CT) gehört zu den Standard-Untersuchungen in der Diagnostik von Erkrankungen des Brustkorbs und der Lunge. Sie liefert hochauflösende Schnittbilder. Je nach Fragestellung der Untersuchung ist die Gabe von Kontrastmittel sinnvoll. Dies wird im Einzelfall vorher mit Ihnen besprochen. Die Computertomografie ermöglicht es auch, Veränderungen in der Lunge, je nach Lage im Brustkorb, zielgenau zu punktieren. So können schonend Proben entnommen werden, um die Ursache der Veränderung zu klären.

    Magnetresonanztomografie (MRT)

    Die Magnetresonanztomografie ist ebenfalls ein sogenanntes Schnittbildverfahren, das sich besonders für die Darstellung von Weichgeweben eignet. Für die Lunge selbst wird die MRT nur selten eingesetzt, hier ist meist die Computertomografie geeigneter. Bei manchen Organen wird hingegen bevorzugt die MRT eingesetzt, beispielsweise in der Beurteilung des Gehirns oder der Leber. Wenn Sie sich bei uns zur Abklärung einer Lungenveränderung in Behandlung befinden, wird möglicherweise eine solche MRT-Untersuchung mit Ihnen besprochen.

    Weitere Informationen finden Sie unter Radiologie 

Endoskopie zur Diagnostik von Lungenerkrankungen

Der Begriff Endoskopie setzt sich aus den altgriechischen Wörtern éndon und skopein zusammen und bedeutet soviel wie "von innen betrachtet". Das Endoskop ermöglicht die Inaugenscheinnahme des Inneren des Körpers: Eine kleine Kamera, eine Lichtquelle und ein dünner Schlauch ermöglichen dies. Das Endoskop wird dabei über eine vorhandene Öffnung des Körpers, in der Pneumologie und Thoraxchirurgie über den Mund, eingeführt. Über diesen Weg sind mit zusätzlichen Geräten auch Eingriffe und Probenentnahmen (Internventionen) möglich.

  • Bronchoskopie (Lungenspiegelung)

    Bei einer Bronchoskopie (Lungenspiegelung) wird ein dünner Schlauch (Endoskop) über Mund oder Nase in die Atemwege eingeführt. Über die Kamera am Ende des Schlauchs können wir die Atemwege (Bronchien) einsehen und so

    •  Veränderungen in den Atemwegen erkennen und untersuchen

    • unter Röntgendurchleuchtung Biopsien aus peripheren Lungenarealen entnehmen

    • Bronchialsekret zu mikrobiologischen Untersuchungen gewinnen 

    • mit Broncho-Alveolärer Lavage  (BAL) Bestandteile der Lungenbläschen analysieren

    Flexible Bronchoskopie
    Wird das biegsame Endoskop oder ein Beatmungstubus als Führungshilfe genutzt, und erfolgt eine leichte Sedierung, sprechen wir von einer „flexiblen“ Bronchoskopie. Diese findet meist unter örtlicher Betäubung statt. 

    Starre Bronchoskopie
    Im Gegensatz dazu wird bei der „starren“ Bronchoskopie ein stabiles Metallrohr verwendet, dass über den Mund in der Luftröhre platziert wird. Über dieses können dann Endoskope und andere Untersuchungsgeräte eingeführt werden. Die starre Bronchoskopie erfolgt stets in Vollnarkose, so dass Sie nichts davon mitbekommen. Die Atmungs- und Kreislauffunktion wird dann zusätzlich anästhesiologisch überwacht.

    In beiden Untersuchungstechniken ist mit dem Bronchoskop eine optische Beurteilung der Bronchien und Probeentnahme möglich. Bei erhöhtem Blutungsrisiko oder größeren Eingriffen (z.B. Stent-Einlage) ist eine Bronchoskopie in starrer Technik regelhaft erforderlich.

  • Broncho-Alveoläre Lavage (BAL)

    Bei der Broncho-Alveolären Lavage wird während einer Bronchoskopie ein Lungenlappen mit Kochsalz-Lösung gespült. Diese Flüssigkeit wird anschließend wieder abgesaugt, um Zellen und andere Bestandteile aus der Tiefe der Lunge zu untersuchen. So können Informationen zur Art einer Entzündung gewonnen werden oder eine gezielte Erregerdiagnostik bei Immunsuppression erfolgen.

  • Endobronchialer Ultraschall (EBUS)

    Während einer Bronchoskopie kann ein endobronchialer Ultraschall (EBUS) durchgeführt werden. Dies ist eine Kombination aus Bronchoskopie und Sonografie (Ultraschall).

    Das EBUS-Gerät weist an der Spitze neben einer Kamera eine Ultraschallsonde auf. Dadurch können Nachbarstrukturen der Bronchialwand dargestellt und gezielt mit einer Feinnadel punktiert werden. Die angewandte Methode zur Probenentnahme heißt „transbronchiale Nadel-Aspiration“ (TBNA).

    Der EBUS wird insbesondere benutzt, um vergrößerte Lymphknoten im Brustkorb zu untersuchen. Zusätzlich können die Lymphknoten sicher von benachbarten Blutgefäßen unterschieden werden. Somit sind mithilfe der EBUS-Technik Probenentnahmen von Lymphknoten und Bronchuswand-nahen Tumoren mit hoher Treffsicherheit bei geringem Eingriffsrisiko möglich.

    Eine weitere Technik stellt die radiale EBUS-Sonde dar ("Mini-Sonde"). Es handelt sich um eine besonders dünne Sonde mit einem 360°-rotierendem Schallkopf an der Spitze. Die Besonderheit ist, dass die Sonde über das reguläre Bronchoskop bis tief in die Atemwege eingeführt werden kann (bis circa 1 cm vor der Pleura, der „Außenhaut“ der Lunge). Wenn das Gerät eine Struktur anzeigt, wird eine Biopsie-Zange bis zu dieser Stelle eingeführt, um eine Gewebsprobe zu gewinnen. Somit ist der radiale EBUS geeignet, um Proben von unklaren Veränderungen im weiter randständig liegenden Lungengewebe zu gewinnen. Voraussetzung ist, dass ein ausreichend breiter Bronchus bis zur Veränderung hinführt.

  • Biopsien zur Diagnostik von Lungenerkrankungen: Zangenbiopsien und Kryobiopsien

    Bei diagnostischen Untersuchungen kann eine Zangenbiopsie des Lungengewebes oder der Bronchien ausreichend sein, um sichere Erkenntnisse zu erlangen. Diese kann häufig im Rahmen einer flexiblen Bronchoskopie mit einer nur wenige Millimeter breiten, Zange erfolgen.

    Zur Diagnosestellung vieler Lungenerkrankungen werden jedoch größere Gewebsproben benötigt. Dafür kann eine Operation am Brustkorb mit direkter Lungenbiopsie erforderlich sein, alternativ kann eine Kryo-Biopsie infrage kommen, die während einer starren Bronchoskopie durchgeführt wird.

    Bei der Kryosonde handelt es sich um ein dünnes Gerät, das an der Spitze auf minus 80 Grad Celsius heruntergekühlt werden kann. An der Spitze friert dann eine Gewebsprobe fest, die entnommen werden kann. Dabei können Proben bronchial oder transbronchial erfolgen, das heißt, es wird Gewebe in den Bronchien oder von der Lunge selbst entnommen.

    Mediastinale Kryobiopsie 

    Bei einer mediastinalen Kryobiopsie werden EBUS- und Kryo-Technik kombiniert, um Veränderungen der Lymphknoten zwischen den beiden Lungenflügeln (Mediastinum) sicher und schonend zu diagnostizieren. 

    Dazu erfolgt ein endobronchialer Ultraschall (EBUS), über den eine besonders schmale Kryosonde mit circa 1mm Durchmesser in den Lymphknoten eingeführt wird. Die Sonde wird anschließend stark abgekühlt. An der Spitze der Sonde bildet sich eine gefrorene Probe des Lymphknotens, die dann geborgen werden kann.

    Auf diese Weise können ausreichend große und repräsentative Gewebeproben gewonnen werden, die größer sind als bei der Probenentnahme mittels gewöhnlicher EBUS-Feinnadelbiopsie. Dies ist vor allem bei fortgeschrittenen Stadien des Lungenkarzinoms wichtig, da mittlerweile spezielle genetische Untersuchungen am Gewebe vorgenommen werden können, um die Therapie zu optimieren.

    Die transbronchiale und mediastinale Kryobiopsie sind im Vergleich zu anderen (operativen) Untersuchungsverfahren schonender und risikoärmer.

  • Therapeutische/interventionelle Bronchoskopien (Lungenspiegelungen)

    Bronchoskopien (Lungenspiegelungen) kommen auch zum Einsatz, um Diagnostik und Therapie direkt miteinander zu verbinden. Diese Eingriffe erfolgen meistens in starrer Technik und unter Vollnarkose. Interventionelle Bronchoskopien kommen zum Beispiel zum Einsatz, um

    • Fremdkörper aus den Atemwegen zu entfernen (beispielsweise Speisereste oder kleine Gegenstände, die versehentlich eingeatmet wurden)

    • Verengungen in den Atemwegen zu behandeln (Entfernung von überschüssigem Gewebe mit Laser- und Kryo-Technik oder Einsetzen von Stents) 

    • Ventile zur Entlastung überblähter Lungenabschnitte einzusetzen (Therapie bei Lungenemphysem)

    Ablauf

    Vor einer geplanten Bronchoskopie sind möglicherweise weitere Voruntersuchungen erforderlich, die wir in einem vorstationären Termin durchführen. An diesem Tag erfolgen neben den Voruntersuchungen wie EKG oder Lungenfunktionsprüfung die Aufklärungsgespräche. Bitte planen Sie für diesen Tag mehrere Stunden ein, da sich nicht immer alle Gespräche und Untersuchungen direkt hintereinander planen lassen.
    Für das Vorgespräch ist es hilfreich, wenn Sie einen aktuellen Medikamentenplan und medizinische Untersuchungsbefunde der letzten 6 Monate zum Termin mitbringen. Gerne können Sie sich durch eine Person Ihres Vertrauens begleiten lassen.

    Im Aufnahmegespräch erläutern wir Ihnen den Ablauf Ihres Aufenthaltes und klären Sie über die geplanten Eingriffe auf. Sie erhalten die Gelegenheit, offene Fragen zu klären. Inwiefern Medikamente vor oder während des Eingriffs pausiert werden müssen, besprechen wir mit Ihnen.


Cellitinnen-Severinsklösterchen Krankenhaus der Augustinerinnen und St. Antonius (Betriebsstelle Severinsklösterchen)
Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin

Chefärztin PD Dr. Urte Sommerwerck

Cellitinnen-Krankenhaus St. Hildegardis
Thoraxklinik Köln | Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, Palliativmedizin

Chefarzt Dr. Alexander Prickartz