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Beckenboden-Beschwerden

Diagnostik und Therapie bei Beckenbodenschwäche

Was ist Beckenbodenschwäche?

Die Beckenbodenmuskulatur stützt die Beckenorgane und trägt deren Gewicht. Durch verschiedene Einflüsse kann die Muskulatur und das stützende Bindegewebe an Festigkeit verlieren. Dazu zählen u.a. zunehmendes Alter, Geburten, Übergewicht oder eine angeborene Gewebsschwäche. Lässt diese Stützfunktion nach, können Beschwerden auftreten.

In ausgeprägten Fällen ist es möglich, dass Gebärmutter, Scheide, Harnblase oder Enddarm nach unten sinken. Dann spricht man von einer Beckenbodensenkung. 

Etwa die Hälfte der Frauen über 60 Jahren ist von einer Form der Beckenbodenschwäche oder –senkung betroffen.

  • Mögliche Symptome bei Beckenbodenschwäche und Beckenbodensenkung
    • Druck- oder Fremdkörpergefühl im Unterleib oder in der Scheide
    • Ziehen oder Schweregefühl im Becken, besonders im Stehen oder nach längerer Belastung
    • Blasenentleerungsstörungen, Blasenschwäche, häufiger Harndrang, Harninkontinenz
    • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
    • Probleme beim Stuhlgang
    • Blutungen in der Vagina
    • Tast- oder sichtbares Hervortreten von Scheidenanteilen oder der Gebärmutter in den Scheideneingang (Beckenbodensenkung, Genitalsenkung, Deszensus genitalis)
  • Wann spricht man von einer Beckenbodensenkung (Genitaldeszensus)?

    Von einer Beckenboden- oder Genitalsenkung (Deszensus) spricht man, wenn sich Organe wie die Harnblase, Gebärmutter, Scheidenwand oder Enddarm aufgrund verminderter Stützfunktion des Beckenbodens nach unten verlagert haben. Je nach Ausprägung kann die Beckenbodensenkung leicht, mittelgradig oder ausgeprägt sein und unterschiedlich starke Beschwerden verursachen.

    Nicht jede Beckenbodensenkung muss operiert werden. Entscheidend für die Wahl der Behandlung sind vor allem die Beschwerden der Patientin und deren Einfluss auf die Lebensqualität. Bestehen schwere Beschwerden und liegt eine eindeutige Beckenbodensenkung vor, kann eine operative Behandlung sinnvoll sein. 

  • Diagnostik von Beckenbodenschwäche und Beckenbodensenkung (Genitaldeszensus)

    Um den Zustand des Beckenbodens zu beurteilen, ist eine gynäkologische Untersuchung erforderlich. Zu den Diagnoseverfahren bei Verdacht auf Beckenbodenschwäche bzw. Beckenbodensenkung zählen:

    • Gynäkologische Untersuchung einschließlich Ultraschalluntersuchung
    • Urinuntersuchung
    • Messung der Blasenfunktion
    • Proktologische Untersuchung und Stuhluntersuchung bei Darmbeschwerden 
    • Magnetresonanztomographie (MRT) in speziellen Fällen

      Je nach Schweregrad der Beckenbodenschwäche können konservative Verfahren helfen die Beschwerden zu reduzieren. Bei einer ausgeprägten Beckenbodensenkung kann in vielen Fällen eine Operation helfen.

  • Behandlung bei Beckenbodenschwäche

    Die Behandlung einer Beckenbodenschwäche richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden und der subjektiven Beeinträchtigung der Lebensqualität. 

    Dazu können zunächst konservative Verfahren zur Behandlung der Beckenbodenschwäche, also nicht-operative Verfahren, zum Einsatz kommen. Sollten diese nicht (mehr) zum gewünschten Erfolg führen, kann eine Operation zur Therapie der Beckenbodenschwäche in Betracht gezogen werden. Ziel der Therapie ist es, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität und die Funktion des Beckenbodens zu verbessern.

  • Konservative Verfahren bei Beckenbodenschwäche

    Zu den wichtigsten konservativen Behandlungsmöglichkeiten bei Beckenbodenschwäche zählen:

    • gezieltes Beckenbodentraining zur Kräftigung der Muskulatur
    • Biofeedback- und Elektrostimulationstherapie
    • Lokale vaginale Hormontherapie mit Östrogenen
    • die Anwendung therapeutischer Pessare (kleine Schalen-, Würfel- oder Ringformen, die in die Vagina eingeführt werden und die Beckenorgane stützen sollen)

Operation bei Beckenbodensenkung

Eine Operation kommt in Betracht, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder eine Beckenbodensenkung bereits deutlich ausgeprägt ist und Beschwerden verursacht. Ziel der Operation ist es, die abgesunkenen Organe wieder in ihre Position zu bringen und den Beckenboden zu stabilisieren. 

Die meisten Eingriffe werden minimalinvasiv durchgeführt. Das geschieht durch die Vagina, durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) oder eine Kombination beider Verfahren. Das minimalinvasive Operationsverfahren ist schonender als ein Bauchschnitt und sichert in der Regel eine komplikationsarme und schnelle Heilung. 

Je nach Art und Ausmaß der Beckenbodensenkung stehen unterschiedliche Operationsverfahren zur Verfügung. Welche Methode im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt von der genauen Diagnose, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. In den meisten Fällen kann die Gebärmutter erhalten werden. 

Trotz erfolgreicher Operation besteht im Verlauf des Lebens ein grundsätzliches Risiko für ein erneutes Absinken von Organen, da die zu Grunde liegende Bindegewebsschwäche bestehen bleibt.

  • Vaginale Beckenbodeneingriffe

    Diese Methoden erfolgen über die Scheide und arbeiten mit körpereigenem Gewebe, um geschwächte Strukturen des Beckenbodens zu stabilisieren.

    • Vordere Scheidenplastik (Blasenhebung)

    Bei Senkungen der vorderen Scheidenwand und der Harnblase wird das erschlaffte Bindegewebe unter der Blase gerafft und gestrafft. Dadurch wird indirekt die Blase in ihre ursprüngliche Position zurückverlegt. Die Raffung erfolgt durch einen Schnitt in der Scheide.

    • Hintere Plastik (Rektozelenkorrektur)

    Sollte die hintere Scheidenwand erschlafft sein, so dass sich der Enddarm (Rektum) in die Scheide vorwölbt und Beschwerden bereitet, kann der Darm durch eine minimalinvasive Operation, analog zur vorderen Scheidenplastik in seine ursprüngliche Position verlagert werden. Bei diesem Verfahren wird ebenfalls durch einen Schnitt in der Scheide das erschlaffte Gewebe gerafft und stabilisiert. 

  • Netzgestützte Beckenbodeneingriffe

    Bei besonders geschwächtem Beckenbodengewebe werden zusätzlich zu den o.g. Verfahren chirurgische Netzimplantate eingesetzt, um stärkeren Halt zu geben und das körpereigene Gewebe zu stützen. Diese chirurgischen Netzimplantate bestehen aus synthetischen Materialien wie Polypropylen und finden bei vielen chirurgischen Eingriffen Verwendung. Diese Netze können sowohl bei vaginalen, laparoskopischen oder abdominalen Eingriffen eingesetzt werden.

    • Vordere / hintere Scheidenplastik unter Zuhilfenahme eines vaginalen Netzimplantates

    Im Falle eines Rezidivdeszensus, also einem Wiederauftreten der Beschwerden eines Beckenbodenschadens nach operativer Korrektur oder bei sehr schlechten Bindegewebsverhältnissen bei der Erstoperation, kann ein medizinisches Netzimplantat verwendet werden, um das Gewebe zu stärken. 

    • Korrektur eines Scheiden- oder Uterusvorfalls (Prolaps) mittels Netzimplantat (Hysteropexie, Cervicosakropexie, Sakrokolpopexie)

    Zur Korrektur einer fortgeschrittenen Senkung, insbesondere bei einem Beckenorganprolaps (z.B. Gebärmuttervorfall), können netzgestützte Operationsverfahren minimalinvasiv eingesetzt werden. Dies erfolgt entweder mittels Laparoskopie (Bauchspiegelung), Bauchschnitt oder über einen vaginalen Eingriff.

    Hierbei wird jeweils ein spezielles Netz zur Aufhängung und Stabilisierung der abgesunkenen Beckenorgane eingesetzt. Dabei können betroffene Strukturen am Kreuzbein oder am sakrospinalen Band (Ligamentum sakrospinale) “aufgehangen” und somit in ihre ursprüngliche Position gebracht und stabilisiert werden.

    Falls möglich, wird die Operation vaginal minimalinvasiv oder laparoskopisch durchgeführt, da kleine Schnitte geringere Schmerzen und in der Regel eine schnellere Genesung ermöglichen.

Blasenentleerungsstörungen und Harninkontinenz

Die Symptome einer Harninkontinenz können je nach Ursache, Ausprägung und individueller Situation sehr unterschiedlich sein, somit unterscheidet sich auch die Behandlung je nach Fall. 

  • Behandlung bei Harninkontinenz

    Man unterscheidet verschiedene Formen einer Harninkontinenz:

    1. Belastungsharninkontinenz: Der unwillkürliche Urinverlust tritt insbesondere unter körperlicher Belastung wie Sport, Husten, Niesen, Heben auf.
    2. Drangharninkontinenz: Es besteht sehr häufiger Harndrang mit unwillkürlichem Urinverlust. Ohne unwillkürlichen Urinverlust spricht man auch von einem Syndrom der Überaktiven Blase (engl. Overactive Bladder /OAB, „Reizblase“), dabei handelt es sich um eine Speicherstörung der Blase. 
    3. Mischharninkontinenz: Eine Kombination aus 1. und 2., wobei eine der beiden Formen dominieren kann.
    4. Reflexinkontinenz
    5. Überlaufinkontinenz 
    6. andere
  • Konservative Maßnahmen bei Harninkontinenzbeschwerden

    Bei leichteren Formen einer Harninkontinenz kann durch gezieltes Beckenbodentraining, ggf. in Kombination mit speziellen Trainingsgeräten wie Biofeedback- oder Elektrostimulationsgeräten Besserung erreicht werden. Ergänzend kommen auch Inkontinenztampons oder spezielle Pessare zur Symptomkontrolle zum Einsatz. Reichen diese konservativen Methoden zur Behandlung der Harninkontinenz nicht (mehr) aus, kommen medikamentöse oder operative Behandlungsmethoden in Frage.

    • Operative Therapie der Belastungsharninkontinenz mittels spannungsfreier Urethralschlingen (Transvaginales Tape/ TVT)

    Werden die Beschwerden einer Belastungsharninkontinenz durch o.g. Maßnahmen nicht ausreichend gebessert, kann in einem weiteren Schritt die Kontinenz durch eine Operation wiederhergestellt werden. Dabei wird ein kleines Kunststoffband (Implantat) über einen Schnitt von der Scheide aus unter die Harnröhre eingelegt und so unter Belastung die Harnröhre wieder abgedichtet.

    • Kolposuspension

    Über einen kleinen Bauchschnitt oder minimalinvasiv im Rahmen einer Bauchspiegelung wird die Harnröhre durch Straffung des Scheidengewebes im Bereich hinter dem Schambein geliftet. Auf diese Weise wird die Harnröhre im oberen Anteil stabilisiert, sodass eine Kontinenz erreicht wird.

    • Medikamentöse Behandlung bei Drangharninkontinenz und OAB

    Um die Überaktivität des Blasenmuskels zu reduzieren oder Blasenentleerungsstörungen sowie in speziellen Fällen auch Stressinkontinenz zu behandeln, können auch Medikamente eingesetzt werden. Im Zusammenhang mit der Menopause (Wechseljahre) kann zudem eine Lokalbehandlung der Scheide mit Hormonen (Östrogenen) wirksam sein.